Reisebericht Vietnam
– oder: Schon mal auf nen Waschlappen gebissen?
Im Frühjahr war mein Kollege Axel aus Bremen dienstlich unterwegs
und hat sich in vier Tagen die Spots und Hotels in Brasilien angeschaut.
Er kam so begeistert und motiviert zurück, dass wir beschlossen,
dass ich endlich mal nach Vietnam fahren sollte. Dann war es jetzt
im September so weit, ich machte mich am Donnerstag mit der Bahn
auf den Weg nach Frankfurt – obwohl es nicht heiß war,
kam ich schon gleich das erste mal ins Schwitzen als der Zugbegleiter
sagte : „Leider erreichen Sie den Anschlusszug nach Frankfurt
nicht mehr....“
Aber ich hab es dann geschafft, erreichte den Schalter der Vietnam
Airlines rechtzeitig (wird von der LH abgefertigt ) und konnte mich
kurze Zeit späterin der Boeing 777-200 gemütlich für
den 12-Stunden-Flug einrichten – aber immerhin ein Nonstop-Flug!
Ehrlich, ich hatte etwas Sorge wegen der Qualität, aber gleich
das Essen war überzeugend : Es gab zur Auswahl ein feines Filetsteak
oder etwas gedünsteten Fisch. Auch der Service war tadellos,
wenngleich der Ausschank von Alkoholika nicht gerade forciert wurde.
Aufgrund der im Vordersitz eingebauten kleinen Bildschirme konnte
man sich bei Bedarf Spielfilme oder Spiele auswählen, morgens
gegen 6 konnte dann das Abenteuer Vietnam beginnen. Ging auch gleich
los beim Geldtauschen; ich bekam ( noch im Flughafen ) für
einhundert Euro fast zwei Millionen Dong...also machen 20000 Dong
ca. einen Euro.
Die Einreiseformalitäten dauerten etwas, aber alles lief korrekt
und relativ stressfrei. Ein Visum ist nötig, die Beantragung
hatte vorher aber auch nur 3 Tage gedauert, allerdings waren immerhin
55 Euro dafür nötig. Am Ausgang wartete schon der Fahrer
auf mich, der mich nach Mui Ne bringen sollte. Brachte er mich dann
auch – aber allein diese Fahrt ist wahrlich eine Sturmflut
von Eindrücken, wer vielleicht eben noch die Müdigkeit
des Fluges spürte, der schaut jetzt gebannt auf Straße
( oft schlechter Zustand ), Verkehr ( Mopeds, Mopeds und noch mal
Mopeds ) und eben auf das Leben drum herum ( Verkäufer von
allem und jedem, Morgengymnastik am Straßenrand, Reisbauern
auf den Feldern ) – und immer wieder auf Mopeds. Ich bin schon
viel herumgekommen, aber so ein Gewusel habe ich noch nie erlebt!
Nach einer kleinen Pause erreichten wir nach rund 4 Stunden Mui
Ne; es fielen mir sofort die riesigen Sanddünen ins Auge, die
natürlich auch wirklich imposant sind! Auch der Strand ein
weiß-gelber Traum, und Wind und Welle – puhhhh, da wußte
ich schon mal: hier bin ich richtig! Schnell im Hotel eingecheckt,
ich wohnte erst mal im Full Moon Beach Hotel – ein gepflegtes
Haus: Direkt am Strand, kleiner Pool, sehr nette und individuell
sympathisch eingerichtete Zimmer (wobei die Zimmer Beachfront wirklich
der Hammer sind! ). Direkt am Strand liegen wie an einer Perlenkette
die Hotels, alle in unterschiedlichen Preisklassen. Besonders zu
empfehlen sind eben das Full Moon ( reelles 3-Sterne-Haus ) und
das direkt daneben liegende Sunshine Hotel ( zwei bis drei Sterne,
also eher die preisgünstigste Alternative ). Ca. 500 m davon
entfernt liegen dann noch das Hotel Coco Beach ( auch super schönes
Haus mit gemütlichen freistehenden Bungalows aus Holz ) und
das Mui Ne Resort ( ebenfalls sehr ansprechend und mit riesiger
Garten- und Poolanlage ). Für totale Individualisten habe ich
noch einen kleinen Geheimtipp im Hinterkopf, ruft bei Interesse
einfach mal an! Insgesamt hat mich das Hotelniveau schon erstaunt,
hatte ich in dieser Qualität in Vietnam so überhaupt nicht
erwartet, zumal der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen steckt
– aber genau das macht ja auch den Reiz aus...
Es gibt zwei Stationen am Strand, einmal die beim Full Moon Beach
Hotel und einmal die vor dem Mui Ne Resort. Beide kümmern sich
perfekt um Kiter und Surfer; die windchimes von Trang hat etwas
mehr Platz am Strand, die Jibes Station vom Franzosen Pascale ist
insgesamt sicher etwas chilliger – dort kann man auch abends
gemütlich sitzen und beim Bierchen ( leckere Sorten stehen
zur Auswahl ) noch mal den Tag besprechen.... Pascale plant übrigens
noch eine neue Station am Wellenspot, dort können die Wellen
im Winter schon bis zu vier Meter hoch werden, während sie
in Mui Ne deutlich darunter liegen. Shore Break kann es geben –
aber die Beachboys helfen einem da durch, keine Bange! Nur der Wasserstart
sollte halbwegs sitzen, sonst wird das Aufsteigen eher Glückssache.
Anfängern bietet Trang übrigens auch einen Transfer in
ein geschütztes Revier an, oder, wer es nicht so windig mag,
der geht halt morgens raus. Hauptwindzeit ist November bis April
– aber wundert Euch nicht, wenn es dann nachmittags wirklich
hackt, das scheint die Regel zu sein... In der übrigens Zeit
– und das ist die gute Nachricht – ist der Wind aber
auch nicht so übel, in meiner Woche hätte ich zum Beispiel
jeden Tag nachmittags aufs Wasser gekonnt ( zB mit 5,5 qm ). Von
Mai bis Oktober weht der Wind von rechts ( wie in Cabarete ), leicht
schräg auflandig; Wahrscheinlichkeit ( außer Juli ) ab
45 bis 50% in Stärke 4-6 Bft. - immerhin! Im Winter genau anders
herum, Wind leicht schräg auflandig von links, als Minimum
werden 75% Wahrscheinlichkeit angegeben – und als Stärken
eher 6-8 Bft nachmittags....
Mui Ne heißt frei übersetzt so viel wie „Platz
des Schutzes“ – den brauchen die Fischer bei den Windstärken
auch! Mui Ne bedeutet aber auch ein Mikroklima, denn nirgendwo in
Vietnam regnet es weniger als dort! Mui Ne bedeutet aber auch lecker
Essen gehen und das für wirklich kleines Geld ! Oder wo kann
man sonst noch eine leckere Mahlzeit für rund 2 Euro bekommen?
Es muss ja nicht gleich ein ganzer Frosch sein, der kostet nämlich
3 Euro, dafür aber mit Beilage und Reis. Es werden auch sonst
immer mal Kleinigkeiten zum Bier gereicht. Ich bekam in Saigon nach
dem Essen auch noch eine, ungewöhnlich - dachte ich. Man schob
mir zwei kleine dünnen Röllchen auf einem Teller zu, sahen
lecker aus, so wie gerollte kleine Pfannkuchen. Als ich reinbiss
merkte ich dann schnell, dass es dann doch wohl nur zwei dünne
kleine Waschlappen waren – schade. Habe mich dann schnell
umgeschaut, aber hatte keiner gesehen, sehr angenehm ( denn die
Asiaten können sich eh immer so schön über andere
totlachen, das hätte was gegeben....). Die Vielfalt des Essens
soll auf einen alten König zurückgehen, der wollte jeden
Tag 500 verschiedene Gerichte von 500 Köchen zubereitet haben,
da überrascht dann auch die Vielfältigkeit nicht mehr.
Und lecker ist alles, na ok, bis auf Waschlappen vielleicht. Als
kleinen Tipp könnte ich Euch das Yen Gia Quan empfehlen, liegt
kleines Stück vor dem Mui Ne Resort auf der anderen Straßenseite.
Dort zum Beispiel den Hot Pot bestellen – dann bekommt man
rohes Rindfleisch, dass man kurz in einen köchelnden Sud gibt.
In der Zwischenzeit drapiert man von den Beilagen etwas auf einem
Reisblatt, dann werden die Fleischstückchen ebenfalls mit reingerollt
– lecker!!! Überrascht hat mich allerdings, dass die
Vietnamesen ihr Essen gar nicht so scharf würzen wie zum Beispiel
die Thailänder, aber sonst sind die Küchen gut vergleichbar.
Auch auf das Frühstück kann man sich freuen: Immer viel
Obst und alles was das Herz sonst noch so begehrt! Wer übrigens
seine Liebste mal sehr feudal ausführen möchte, dem sei
das Restaurant Chamagne im Hotel Coco Beach empfohlen – 4
Sterne Küche zum ein Sterne-Preis! Zum Schluss sei noch die
legendäre Fischsoße erwähnt, die wird ganz in der
Nähe hergestellt und gehört zu asiatischen Küche
unbedingt dazu. Am besten soll sie sein, so die Vietnamesen, wenn
sie gar nicht mehr nach Fisch schmeckt – stimmt, ich dachte
nämlich es sei so was wie Maggi. Stäbchen werden immer
zum Eessen gereicht, ich hatte aber schon wohl das „ich kann
nicht mit Stäbchen Essen – Schild“ vor dem Kopf,
mir brachte man immer auch gleich normales Besteck. Ich mochte dass,
denn ich esse nicht gerne eine Stunde an meinen Reiskörnchen.
Man sagt immer andere Länder und andere Sitten.... stimmt auch.
Rülpsen zum Beispiel gehört in Vietnam nicht zum schlechten
Ton. Kleckern zeigt eher an, dass es einem geschmeckt hat ( was
mir ja gefiel ). Und wenn man eine gerauchte Zigarette nach dem
Essen dort hineinlegt, dann heißt doch dies für den Koch
ganz klar: so doll war das jetzt nicht. Ich war leider nur eine
kleine kurze Woche unterwegs, so dass ich mir vieles gar nicht oder
nur im Vorüberfahren ansehen konnte, so dass ich dringend rate,
mindestens 10 Tage , wenn nicht gar drei Wochen zu buchen. Es gibt
in der Nähe ( z.B. die Sanddünen ) oder auch weiter weg
(Saigon, Hanoi) noch so viel zu sehen. Man kann sich gut verständigen,
viele bemühen sich auch mit englisch – aber ein bisschen
raten gehört bei der asiatischen Aussprache immer mit dazu.
Sonst kann man noch Golfen oder Biken, jede Art von Wassersport
betreiben, aber auch faulenzen am gepflegten Pools – und,
und, und.
Die roten Flaggen der kommunistischen Partei sieht man ebenso täglich
wie die rote Staats-Flagge, man sieht ein junges Volk auf den Straßen
( aber nur bis ca. 22 Uhr ), der Altersschnitt liegt bei nur rund
32 Jahren. Ihr könnt noch handgemalte Straßenschilder
entdecken, Särge zum Verkauf am Straßenrand, allen Arten
von Obst und so vieles mehr. Ihr könnt einkaufen ohne Ende,
Markenwaren zu Spottpreisen – nur wußte ich nie ob Original
oder gefälscht. In jedem Fall Originale kauft man zu Schleuderpreise
übrigens im Saigon Square – und einen Tag solltet Ihr
Euch dort gönnen. Denn so eine Stadt muss man erlebt haben,
gehört haben ( ständiges hupen ), muss man genossen haben.
Ich habe zum Beispiel meine letzte Nacht im Hotel Windsor Plaza
in China-Town gebucht zusammen mit einer Stadtrundfahrt. Hat alles
zusammen mit Transfer zum Flughafen keine 100 Euro gekostet –
und ich würde allein gefahren und betreut, und dies ist immer
so. Schöner kann man einfach nicht reisen, denke ich. Mein
Fazit ist ganz kurz: ich werde bald wieder hinfahren – und
wer mehr wissen will, der ruft einfach mal in Bremen an, ich könnte
noch so viel erzählen.....
Euer Rolf Senger vom Sportreisen Team Nord,
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